Bahnübergang Drachenfelsstrasse

oder: Wie die Bundesbahn die Stadt ausbremst

Der Bahnübergang an der Drachenfelsstrasse

Die Altstadt hat viele kleinere und größere Problemzonen. Einige sind gut versteckt, andere dagegen touristisch leidlich erschlossen. Der Bahnübergang an der Drachenfelsstrasse aber hat nicht nur die längste Geschichte, er ist auch der sichtbarste und für Anwohner und Besucher nervigste. Und: Die Stadt kann wenig tun.

10min doofes Warten ohne Aussicht.

Der Bahnübergang wird jeden tag etwa -60mal- für 5-10 Minuten gesperrt. Das sind über den Daumen gepeilt -5 bis 10 Stunden-, oder knapp 16-40% der Gesamtzeit. Krass, oder?

Die Zahlen habe ich extrapoliert, aber ich lasse mich gerne von der DB überzeugen, dass es noch öfter ist oder die Schliessungen länger dauern. Für die folgende Argumentation finde ich sie aber ausreichend.

Wer auf der Stadtseite des Bahnübergangs steht, hat einen unvergleichlichen Ausblick auf die hochgelegte Bundesstrasse, auf die beiden anschliessenden Parkplätze und den Hochsitz des Schrankenwärters. Dahinter begrünt der beginnende Wald des Siebengebirges das Panorama, hält sich aber sehr im Hintergrund. Wer hier warten muss bekommt einen eher bescheidenen Eindruck von Königswinter.

Von der Bergseite aus sieht man zuerst das Amtsgericht und das Haus Nummer 30, dahinter senkt sich der Blick an der Volksbank und dem Königsgrill vorbei hin zur Kreuzung mit der Hauptstrasse. Das ist ein wenig beliebig und sieht aus wie in jeder beliebigen rheinischen Kleinstadt, aber der Blick ist nicht so entblößend wie in die andere Richtung.

Kaum ein Besucher wird den Übergang zwei mal queren können, ohne das mindestens einmal die Schranke unten ist und er oder sie einen der oben beschriebenen Ausblicke genießen muss. Der dadurch erzeugte Eindruck ist wahrscheinlich nicht der Beste.

Was kann man da machen?

Die Stadt kann alleine erstmal nichts machen. Ein Bahnübergang gehört der Bahn, die auch alle Änderungen initiiert und ausführt. Die Kosten einer solchen Änderung sollen nach Paragraph 13 des Eisenbahnkreuzungsgesetzes zu gleichen Teilen von der Bahn, der Kommune und dem Bund getragen werden.

Effektiv bedeutet das, dass die Stadt Königswinter der Bahn vorschlagen darf, den Bahnübergang zum Beispiel durch eine Über- oder Unterführung zu ersetzen. Und die Bahn kann den Vorschlag annehmen oder einen eigenen beschließen. In beiden Fällen trägt die Stadt ein Drittel der Kosten.

Auf der Abschlussveranstaltung zum IHK im Dezenber 2016 erzählte ein Teilnehmer, dass die Stadt schon Anfang der 70er Jahre einen solchen Vorschlag der Bahn gegenüber gemacht hätte, was von den anwesenden Mitarbeitern der Verwaltung implizit bestätigt wurde.

Die Verwaltung konterte mit der Erfahrung, dass sich die Diskussionen mit der Bahn immer wieder positiv entwickeln würde, die Problematik würde nach und nach verstanden und mit der Zeit würde sich eine Lösung, ein gemeinsamer Ansatz herauskristalisieren - und dann würden die Beteiligten auf Seiten der Bahn befördert, und mit deren Nachfolgern müsste man dann immer wieder von vorne beginnen.

(Hier sollte noch eine pfiffige Pointe kommen, aber dazu fällt mir keine ein.)

Und wie soll das aussehen?